sa flag 80x80 Die Geschichte des südafrikanischen Weins begann mit einem Desaster, da Jan van Riebeeck sich zum begnadeten Weinmacher berufen fühlte, eine Fehleinschätzung, die seine Vorgesetzten in Rotterdam ganze Schiffsladungen an Weinsetzlingen kostete, dessen Anpflanzungen im damaligen Company´s Garden inmitten des heutigen Kapstadt aber zu Nichts als saurem, ungenießbaren Wein führten. Van Riebeeck befand das, was er Wein nannte, in seinen Aufzeichnungen dennoch als „von Gott gegeben“, die Verkostungen des Tranks aber führten zu vernichtenden Urteilen.

wein-delheimDas kam seinem Nachfolger auf dem Posten des Kap-Gouverneurs, Simon van der Stel, allzu merkwürdig vor. Er verlagerte den Weinanbau von Kapstadt kurzerhand in die geschützten Täler des Kapgebirges und siehe da: der erste Wein gedieh, als Muscadet im Weingut Constantia. Klein Constantia, Groot Constantia und Buitenverwachting sind die Namender einzelnen Güter in  dieser ältesten Weinfarm des Landes.

Sie sind umgeben von dichten Laubwäldern, die in schnurgeraden Eichenalleen vor den weiß getünchten, stattlichen Herrenhäusern gleichen Namens münden. Hier befindet man sich auf der kleinsten, aber auch traditionsreichsten und vielleicht auch edelsten Weinroute des Landes, der einzigen innerhalb des Kapstädtischen Gebiets und auf jener, die Klein Kirstenbosch am nächsten liegt.

Stellenbosch Weinroute

Sie haben in den Geschichten rund um Klein Kirstenbosch im Internet, im who´s who und in diesem Journal schon Vieles über die südafrikanische Weinhistorie gelesen. Aber jetzt entführen wir Sie jetzt ohne Umschweife auf die Stellenbosch Wineroute, 20 Autominuten von Kapstadt entfernt, inmitten der landschaftlichen Szenerie der Simonsberge, deren Täler bis in die Ausläufer hinein mit Reben bepflanzt sind. Im Sommer scheint das hügelige Land am Fuß der Bergkette wie von einer Patchworkdecke in allen Grüntönen bedeckt, im Herbst glühen die Rebenblätter in dunklem Rot und braunerdigen Gelb. Licht flutet durch Haine von Kapzedern, Eichen und Platanen, hebt das Weiß einer Mauer hervor, einen großzügig geschwungenen Hausgiebel – architektonische Erinnerungen an die niederländische Heimat der ersten weißen Siedler. Stellenbosch, das Städtchen inmitten der Weinherrlichkeiten, gilt als Symbol für die Wohlhabenheit der weißen Südafrikaner und für ihre gediegene Weltanschauung, es gilt mit seiner ältesten Universität des Landes aber auch als Mittelpunkt der Rassengleichheit, war diese Alma Mater doch schon für alle Südafrikaner geöffnet – gleich welcher Hautfarbe, Herkunft und Religion – als die Apartheid das Land noch fest im Griff hatte.

stellenboschDieser liberale Umgang mit der Kultur des afrikanischen Kaplandes betätigte sich auch auf dem Gebiet der Önologie als Türöffner – waren in Stellenbosch doch die ersten farbigen Weinmacher am Werk. Und sind bis heute uneinholbar in ihrem Mut unkonventionelle Wege auf diesem Weg zu gehen. Wenn auch Sie Lust verspüren, mutig zu sein, können wir Ihnen nur dazu raten, der Genuss daran wird Ihnen gefallen!

Franschhoek Wineroute

Fünfzehn offizielle Weinrouten führt das Weinland Südafrika heute in seinem Portfolio. Eine weitere der klassischen Drei ist die Franschhoek Wineroute, die unbestritten als die ursprünglichste und nicht nur darum etabliert und landschaftlich als schönste gilt. Etabliert weil es Hugenotten waren, die 1688 auf ihrer Flucht vor dem Edikt von Nantes auf Schiffen der VOC in Südafrika anlandeten. Dort ließen sie sich in den windgeschützten Tälern des heutigen Franschhoek (Franzosenecke) nieder und begründeten ihre neue Existenz mit der ihnen eigenen Profession, dem Weinanbau. Dass daraus exklusive Weine entstanden, ist vor dem Hintergrund dieser Geschichte kein Mysterium und da man diese Gourmetfreuden vor Ort am besten genießt, führt dieser Lebensart-Exkurs uns zunächst in das Estate Cabriére des Achim von Arnim (lesen Sie mehr darüber im „Trip für alle Sinne“, auch auf kapstadt.de) und danach ohne Umwege in das  Hotel Grande Roche in Paarl.

Paarl Wineroute

paarl-sprachendenkmalPaarl SprachendenkmalEingebettet in die Kulisse der schwarz-steinernen Paarl-Mountains mutet das kapholländische Gebäude wie ein sorgsam gefaltetes, schneeweißes Kissen an. Leise raschelt der Wind durch die Kronen der Palmen, streift die Bougainvilleas und rieselt ihre Blüten über die Kieswege und auf die Terrasse. Vieles ließe sich über die erlesene Schar der Gäste berichten, die hier ihren Wein tranken, im weithin bekannten Restaurant Bosman´s dinierten oder in den zauberhaft gestalteten Zimmern und Suiten des einstigen Farmanwesens ihre Ruhe fanden. Dabei hatten sie Eines gemeinsam im Sinn: das edle Flair dieser Nobelherberge zu erleben. Dass da romantische Gefühle nicht weit sein können, verwundert nicht, zumal die historische Kapelle des Besitztums zu Hochzeiten geradezu geschaffen scheint – wie die Gästebücher des Grande Roche eindrucksvoll belegen.

Dennoch sollte man die Region nicht verlassen, ohne neben ausgiebigen wine tastings und wunderbaren Picknicks, Lunches und Diners nicht noch einen weiteren „Brand“ zu verkosten, im Sinne des Wortes, denn es ist die Rede von den köstlichen Brandys der KWV. Der Gründer dieser ehemaligen Genossenschaft, die heute unter der eigenständigen Selbstverwaltung von über 70 Weingütern der Region steht, war übrigens Charles Kohler, ein deutscher Weinbauer. Unter seiner Ägide wurde 1918, nach einer landesweiten Überproduktion an Wein, zum ersten Mal Brandy in Südafrika gebrannt. Dass aus diesem Grundstock eine weltweit geschätzte Kultur erwuchs, ist einmal mehr dem Sachverstand und dem Selbstbewusstsein südafrikanische Weinmacher zu verdanken. Wie so Vieles auf diesem Gebiet.

Vielen Dank für den Bericht an Ulla Schmitz.