sa flag 80x80Ihre geschichtlichen Besonderheiten und Leistungen. Die jüdische Gemeinde in der Republik Südafrika bildet zwar nur einen Bruchteil der komplexen Bevölkerungsstruktur des Landes, doch ihre Geschichte ist gekennzeichnet durch Ereignisse und Besonderheiten, die in spezifischer Weise zum abwechslungsreichen Gemeinschaftsleben in Südafrika beitragen. Seit vor 200 Jahren die ersten Juden nach Südafrika auswanderten, haben sie in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens ihre besonderen Spuren hinterlassen. Und ohne über die Rolle der Juden zu sprechen, wäre diese geschichtliche Epoche Südafrikas unvollständig abgehandelt. Gemessen an ihrer kleinen Zahl, haben sie sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart unvergleichlich viele Beiträge geleistet. Heute haben deshalb die Juden nicht nur ihren festen Platz in der südafrikanischen Gesellschaft, sondern sie werden auch von den Juden in aller Welt als Gemeinde respektiert. Die jüdische Einwanderung wickelte sich in vier Hauptphasen ab. Die ersten noch geringen Einwanderer kamen nach 1806, als unter britischer Herrschaft die Religionsfreiheit ausgeweitet wurde. Der erste eigentliche Einwanderungsstrom kann zwischen 1880 und 1930 datiert werden. Diese Juden kamen vorwiegend aus Osteuropa; sie bildeten den Grundstein, auf dem eine einheitliche jüdische Gemeinde in Südafrika wuchs.

In den 30er Jahren machten sich weitere Gruppen Juden auf nach Südafrika, vor allem, um der Verfolgung durch Hitler zu entgehen. Mit einem Einwanderungsgesetz von 1937 (Aliens Act) wurde jedoch der Immigration ein Riegel vorgeschoben. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Einwanderungsbestimmungen gelockert und weitere Juden, auch aus Israel, fanden hier ein neues Zuhause.

Die Zahl der Gemeindemitglieder blieb seitdem ziemlich konstant. Unter den ersten Juden, die nach 1806 einwanderten, waren Leute wie der Soldat Isaac Moses, mit Spitznamen "Moses der Geldwechsler" genannt, oder Joseph Suasso de Lima aus Amsterdam, der die erste holländische Zeitung in Kapstadt begründete. Zu nennen wären auch die Brüder Mosenthal aus Deutschland, die 1839 ans Kap kamen und als Begründer der Angora-Wollindustrie in die Geschichte eingingen. Aus Großbritannien kamen zu jener Zeit Nathaniel Isaacs, der Teile Natals erforschte und entwickelte, sowie die Familie Bergtheil, welche die Baumwollindustrie begründete. Die Familie De Pass spielte eine bedeutende Rolle beim Aufbau der Schiffsbau-, Fischerei- und Zuckerindustrie.

Saul Solomon gründete 1857 die Zeitung 'The Cape Argus". Die jüdische Bankiersfamilie Baumann ließ sich im Oranje-Freistaat nieder wie auch Moritz Leviseur, der mit half, in Bloemfontein das erste Krankenhaus zu errichten und das Nationalmuseum der Stadt begründete. Bereits im Jahre 1841 hatten sich in der Kapprovinz genügend Juden angesiedelt, um eine eigene Regligionsgemeinschaft gründen zu können. So bildete Benjamin Norden, der die britischen Siedler begleitet hatte, die Tikvath-Israel Gemeinde. Der Geistliche Joel Rabinowitz, ein religiöser Führer mit großer Ausstrahlungskraft, der 1849 in die Kapprovinz gekommen war, trug später maßgeblich zur Gründung der ersten Synagoge in Kapstadt bei. Die Entdeckung von Diamanten in Kimberley und Gold im Osttransvaal und später im Witwatersrand brachte auch manche jüdischen Glückjäger hierhin. Einer von ihnen war der britische Jude Barney Barnato, der zusammen mit Cecil John Rhodes die "De Beers Diamond Mining Company" gründete, eine Gesellschaft, die auch heute noch existiert.

Unter den Juden, die in der Goldbergbau-Industrie eine führende Rolle spielten, waren die Industriemagnaten Lionel Phillips, David Harris, Alfred Beit, George Albu und Ernest Oppenheimer aus Friedberg in Hessen, dessen Nachkommen noch heute in diesem Bereich tätig sind. Um 1880 lebten rund 4000 Juden in Südafrika. Als 1911 kurz nach der Gründung der Südafrikanischen Union die erste Volkszählung durchgeführt wurde, war ihre Zahl infolge der zahlreichen Einwanderer aus Russland, die kurz vor der Revolution das Land verlassen hatten, bereits auf 47 000 angewachsen. Diese jüdischen Russen waren allgemein bekannt unter der Bezeichnung "Litvak" oder litauische Juden. Sie brachten in ihre neue Heimat eine reiche Folklore und tief verwurzelte Kultur mit. Angesichts der Freiheit und wirtschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten assimilierten sich die Eingewanderten sehr rasch, eine Entwicklung, die häufig in der Konversion zum Christentum gipfelte. Im Vergleich zu anderen aus Europa ausgewanderten Juden weist die jüdische Gemeinde Südafrikas einige besondere Wesensmerkmale auf. Bemerkenswert ist zunächst, dass bei den Einwanderern nach 1880 die Juden aus Litauen deutlich überwiegen und sich aus diesem Grunde eine äußerst homogene Gemeinde heranbildete. Typisch ist zudem der deutliche Hang zum Zionismus sowie die Verschmelzung von angelsächsisch-jüdischem Handeln und litauisch-jüdischem Denken, das sowohl weltliche ais auch religiöse Einrichtungen der Gemeinde prägte.

In einem Land, wo die Religionsfreiheit kein leeres Wort ist, konnten die zugewanderten Juden ihren religiösen Traditionen ohne Einschränkung nachleben. Am nahtlosesten erfolgte die Integration der Juden in Südafrika wohl im wirtschaftlichen Bereich. Denn zur Zeit der Immigration war Südafrika ein wenig entwickeltes Land mit vielen Entfaltungsmöglichkeiten. Der fahrende Händler, von den Buren smous genannt, war auf dem Lande und auf den abgelegensten Farmen bald ein alltäglicher Anblick.

Zahlreiche Juden ließen sich auch als Kunsthandwerker, Schneider, Schuhmacher und Bauunternehmer nieder. Einige von ihnen kamen schließlich auch in die reichen Gold- und Diamantenfelder, wo sie es zu großem Vermögen brachten. Einige widmeten sich sogar der Landwirtschaft, darunter eine Gruppe, die sich zur Zeit des Straußenfederbooms in der Gegend von Oudtshoorn niederließ. Andere versuchten es mit Zitrusfrüchte - Pflanzungen. Nur wenige Generationen nach der Ankunft gehören ihnen bereits große Textil- und andere Fabriken. Die Juden spielen aber auch eine entscheidende Rolle in anderen Wirtschaftszweigen. So gehen etwa die Gründung großer Lebensmittel-Handelsketten in allen Teilen des Landes auf jüdische Initiative zurück.

Auf militärischem Gebiet waren die Juden an allen Kriegen mitbeteiligt, bei denen es um südafrikanische Interessen ging. Während des Burenkriegs von 1899-1902 kämpften Juden aus dem Norden an der Seite der Buren. In der Kapkolonie ansässige Juden, welche damals unter englischer Herrschaft stand, kämpften auf der Seite der Engländer. Sowohl im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg haben sich Juden im Kampf ausgezeichnet. Auch noch in unserer Zeit der Buschkriege leisteten sie obligatorischen Wehrdienst in der Südafrikanischen Armee, Seite an Seite mit Vertretern anderer Bevölkerungsgruppen.

Als Militärgeistliche waren Rabbis im Einsatz, und die Militärküche sorgte für koschere Mahlzeiten. Die Juden waren seit jeher aktiv im öffentlichen Leben; vor allem auf Gemeindeebene leisten sie als Mitglieder von Stadträten und als Bürgermeister einen bedeutenden Beitrag. Verschiedenen Juden gelang auch eine glanzvolle Karriere als Parlamentsabgeordnete auf nationaler oder provinzieler Ebene. In der heutigen Zeit mit dem raschen Wandel der sozialen und politischen Strukturen ist es schwierig abzuschätzen, auf welcher Ebene des öffentlichen Lebens die Juden ihre zukünftige Rolle sehen.

An Vitalität mangelt es der heutigen jüdischen Gemeinde nicht im geringsten. In ihr findet man Akademiker aller Wissenschaftszweige, Geschäftsleute, Architekten, Bürgermeister, Parlamentarier, Schriftsteller, Journalisten, Ärzte, Großindustrielle, Farmer und Künstler. Alle sind stolz auf ihr jüdisches Erbe und das Leben, das sie hier in Südafrika aufrechterhalten können ... als eine kleine Minderheit.

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Deutsch-jüdische Spurensuche in Südafrika