Sehenswürdigkeiten der Karoo

Drostdy, Durst und dauernd Sonne! Mit diesen Worten lässt sich dieses Reisegebiet (u.a.) charakterisieren. Zum Glück haben uns moderne Errungenschaften die negativen Effekte mehr oder weniger abgenommen, so dass uns Geschichte und Natur heute voll und ganz einnehmen können, ohne die Qualen, die die ersten Siedler im 18. Jahrhundert erleiden mussten, als sie auf ihren Trecks durch die Karoo zogen.

Ohne Zweifel wartet mit dem Addo Elephants National Park bereits das erste Highlight kurz hinter Port Elizabeth auf Sie. Reiseplanerisch sollten Sie berücksichtigen, dass Sie die Dickhäuter am besten frühmorgens oder bei untergehender Sonne an den entsprechenden Wasserstellen zu sehen bekommen. Einfach „mal so“ mittags für eine Stunde in den Park zu fahren, lohnt also keinesfalls! Überlegen Sie z.B., ob Sie nicht die letzte Nacht an der Garden Route oder die in Port Elizabeth auf eine Unterkunft hier im Park verlegen möchten. Der angeschlossene Zuurberg National Park bietet zudem ein schönes Hotel, aber auch eine bezaubernde Bergvegetation, die aber einzig „zum Schauen“ bzw. zum Erwandern geeignet ist.

Weiter nördlich gilt auch für den Mountain Zebra National Park Ähnliches. Der Park liegt schön, und die Unterkünfte sind bezaubernd, besonders die im historischen Farmhaus. Nur sollten Sie sich im Klaren darüber sein, ob Sie die Strecke wirklich fahren möchten für die Landschaft und die (etwas kleineren) Bergzebras. Naturliebhaber werden dies mit Recht bejahen, doch wer schon viele Tiere gesehen hat und diesen Bedarf nahezu abgedeckt hat, der sollte nicht noch diesen Schlenker machen und die Zeit besser aufsparen für die Erkundung von Graaff-Reinet, einem Juwel inmitten der Karoo.

Der weniger bedeutenden N9 zwischen George und Colesberg hat die kleine Stadt es zu verdanken, dass sie zwar bekannt, aber noch nicht vollkommen von Touristenströmen niedergetrampelt wurde. Rechtzeitig konnten sich die Stadtoberen hier also noch dem Erhalt der kapholländischen Bauwerke und Traditionen widmen, um heute nun eine Stadt vorzeigen zu können, die u.E. historisch betrachtet mindestens genauso interessant ist, wie Stellenbosch. Und dann gibt es nahebei auch noch das geologische Wunderwerk Valley of Desolation. Graaff-Reinet sollte also in die engste Wahl fallen für eine Übernachtung entlang der Route.

Das kann man leider nicht von Beaufort West behaupten. Auch dieser Ort hat Geschichte zu bieten, wartet mit einigen historischen Gebäuden auf, ist Geburtsstätte des weltbekannten Herzchirurgen Christiaan Barnard und verfügt mit dem 10 km entfernten Karoo National Park auch über einen landschaftlichen Höhepunkt ... doch liegt es auch an der N1 und dazu auch noch inmitten der Great Karoo. Lange LKW-Schlangen quälen sich durch die Hauptstraße, an der zudem zahlreiche Tankstellen, Fastfood-Läden, Bankfilialen die heutige Bedeutung ohne Abschweife markieren. Historische Hotels und Restaurants an der Hauptstraße mussten deswegen mittlerweile aufgeben bzw. verkommen zu zweitklassigen Etablissements. Andererseits hat der Ort auch ein interessantes Museum, schöne Guesthouses in den Nebenstraßen und eben auch noch historische Architektur zu bieten. Doch der Übernachtungstipp gilt auch hier dem (Karoo) National Park.

Ein alternativer Umweg durch die Great Karoo kann aber auch von Graaff-Reinet über Willowmore, eine gut 90 km lange Piste (R407) nach Klaarstrom und dann bis Prince Albert führen. Das Nest verdankt seine Existenz einem überaus kurzen Goldrush, dem daraus entstandenen Hotel, einigen Pionieren des Obstanbaus und der Tatsache, dass es nördlich des Swartberg-Passes liegt. Als Einzelpunkte alle unbedeutend, doch zusammengenommen ausreichend, um diesen kleinen Ort zu rechtfertigen.

Der schnellste Weg zurück nach Kapstadt führt von hier natürlich entlang der N1. Doch wer mindestens einen halben Tag „opfern“ kann, der sollte von Prince Albert aus den folgenden Schlenker machen: Swartberg Pass - Oudtshoorn - Calitzdorp - Seweweekspoort - Laingsburg. Großenteils handelt es sich hierbei um Pisten, und die Fahrt über den Swartberg Pass alleine erfordert weit über eine Stunde. Doch der Schlenker lohnt und verspricht atemberaubende Ausblicke und einen weiteren Einblick in die Einsamkeit der Karoo!

Und auch an dieser Stelle sei noch einmal auf den letzten Höhepunkt entlang dieser Kapitelstrecke hingewiesen: Matjiesfontein, ehemals das Ausflugsziel der Kapstädter Oberschicht und heute noch in seinem Urzustand erhalten. Eine gerade mal zweistellige Einwohnerzahl, der alte Bahnhof (inkl. Museum) und ein mehr als lohnendes, altbritisch angehauchtes Hotel sollte Ihnen der Stopp hier wert sein.