Straußenzucht in Oudtshoorn

Um 1865 herrschte in der Kleinen Karoo eine große und lang andauernde Dürre. Sehr viel Vieh verendete, und die Siedler hatten Not zu überleben. Man beobachtete, dass die Strauße mit der Trockenzeit ganz gut fertig wurden, und wenigstens diese Tiere lieferten das dringend benötigte Fleisch, an dessen Geschmack man Gefallen fand. Außerdem waren die hübschen Federn der Tiere verkäuflich. Und so entwickelte sich allmählich der Gedanke, Strauße auf speziellen Farmen zu halten.

Im Zuge dieser „Domestizierung“ baute man Luzerne als besonders nahrhaftes Futter an, doch zunächst einmal herrschte Skepsis. Die Feder-Händler gaben vor, dass die Qualität der domestizierten Tiere nicht so gut sei wie die der in freier Wildbahn lebenden Strauße, und so zahlten sie niedrigere Preise. Aber beharrlich hielt man an der Idee fest, und der Farmer von Malitz war der erste, der im großen Rahmen mit der Straußenzucht begann. In der Folgezeit entwickelte man Brutapparate, baute Luzerne an und installierte stabile Drahtzäune.

Der Modetrend nahm die angebotenen Federn bereitwillig auf. Das Land um Oudtshoorn stieg auf über 1.200 Rand pro Hektar, und man war bereit, für Zuchttiere bis zu 2.000 Rand auf den Tisch zu legen. Die Federn wurden nahezu mit Gold aufgewogen. Doch mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges brach der Straußenmarkt zusammen, und eine große wirtschaftliche Depression traf das Oudtshoorn-Gebiet. Die Zahl der Tiere musste drastisch reduziert werden. In der Folgezeit begann man verstärkt, alle möglichen Nebenprodukte aus Straußen herzustellen. So produziert man heute im großen Stil Fleisch (cholesterinarm) sowie Biltong (gewürztes, luftgetrocknetes Fleisch), verwertet die Eingeweide als Viehfutter und verarbeitet die Knochen zu Knochenmehl. Aus den Häuten wird Leder hergestellt, aus dem man Taschen und andere Lederwaren produziert.

Heute gibt es in der Umgebung von Oudtshoorn gut 200 Farmer, die Strauße halten. Etwa 70 % der Federproduktion geht nach Europa, den Rest verarbeitet man in Südafrika zumeist für Staubwedel. Die Qualität der Federn hat sich stetig verbessert, denn Zuchtmethoden und Fütterung sind mittlerweile ausgefeilt. Man rupft Strauße, die in Herden von etwa 100 bis 150 Vögeln gehalten werden, ca. alle neun Monate. Dies ist jedoch für die Tiere nicht schmerzhaft, da die langen Federn geschnitten werden. Rund 1 kg Federn wird dabei gewonnen, und je nach Qualität erhält der Farmer hierfür etwa 10 bis 300 Rand.

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