Arniston Hotel in Arniston

Poseidons Zorn und Güte

Arniston war der Name jenes englischen Truppentransporters, der im Jahr 1815 hier, nahe der Südspitze des Kontinents, auf ein Riff lief und 372 Menschen in die Tiefe riß. Das Hotel im gleichnamigen Ort zeigt ergreifende Dokumente dieser Katastrophe, deren es an der Südküste so viele gab. Im Zeitalter des GPS läßt das hoffentlich nach, und wir können uns auf das Gute konzentrieren, das aus dem Meer kommt.

Aus dem sympathischen Speiseraum hatten wir einen traumhaften Blick aufs Meer, vom Vollmond beleuchtet. Dass der in den nächsten Tagen abnehmen würde, war klar, doch für die Hotelgäste konnte man dies mit gleicher Sicherheit ausschließen. Zu gut ist das Preis-Leistungsverhältnis, um hier einen Gang auszulassen. Das Füllhorn des Meeres bringt die Garnelen halbkiloweise und doch zu vernünftigen Preisen auf den Tisch.

Und doch reizten mich nach einem Seafood-Lunch in Hermanus die chinesischen Enten-Wontons auf Granatapfel- und Pflaumencoulis mehr. Das Entenfleisch war leicht faserig, wie man es im französischen Perigord als Confit de Canard bekommt. Aber ist es dort eher fettig und schwer, so wurde es hier von der Säure des Coulis wunderbar ausbalanciert.

Der Hauptgang ist dann so reich, wie es im Land seit jeher Sitte ist; man ißt nicht, bis man satt ist, sondern bis man nicht mehr kann. Eine ofengeröstete Ochsenzunge überrascht schon dadurch, dass sie nicht quer, sondern längs geschnitten ist, ein dickes Steak von unzweifelhafter Form und faszinierender Knusprigkeit. Den Kartoffelstock muss ich bei seinem Schweizer Namen nennen: ein hoch aufgetürmter Zylinder zwischen cremig und sämig, armiert mit gerösteten Zwiebeln, um die Form zu bewahren. Dazu knackiges Gemüse in der Hälfte eines Gem-Squash, einer Kürbisvariante, die es nur im südlichen Afrika gibt.

Der Kaffee kommt im Plunger und ist zwei Tassen wert, für alle, die das aushalten. Danach erst bin ich in der Lage, ein Dessert zu ordern, aber diesen Brandy-Pudding mit Sahne nicht genossen zu haben, wäre ein zu großes Versäumnis gewesen.

Am späten Abend treibt es mich noch einmal in den Hafen. Drei Fischerboote landen gerade im Mond- und Scheinwerferlicht ihren Fang, und das nicht zimperlich: Einige meterlange Yellowtails krachen mir vor die Füße, steif wie Holzplanken. Sofort werden sie ausgenommen, die Eingeweide fliegen auf die Betonrampe, für die Möwen. Klar, was morgen im Hotel als Linefish auf der Karte stehen wird ...

Beachfront, Arniston / Waenhuiskrans
täglich
028 445 9000

The Arniston Spa Hotel in Arniston at South Africa's Overberg Coast