Café Gainsbourg in Kapstadt

Sein oder Design

Das Café Paradiso in der oberen Kloof Street steht nun wirklich in jedem Reiseführer; sehr schön und sehr gut, aber wenig originell, muß es deshalb hier nicht vertreten sein. 100 m weiter unten ist die Kloof Street etwas weniger malerisch, und man muß schon genau hinsehen, um diese versteckte Design-Perle zu entdecken.

Trotzdem - oder gerade deshalb - treffen sich hier all jene, die statt südafrikanischem T-Bone-Steak in Klodeckelgröße lieber Panini mit Rucola schnabulieren. Das sind vor allem die Eurozentrierten, die in Kapstadt das flächendeckende Yuppietum vermissen, die Studenten, die sich gerade zum Snob entwickeln, und die Touristen, die das Heimweh plagt, wenn sie sich keinen Parmesan übers Essen reiben können. Sie alle finden hier wirklich ausgezeichnete Qualität zu den wie üblich fairen Preisen.

Tische und Bar umgrenzen direkt den offenen Küchenbereich. Der Nachteil dabei ist, daß jeder im Raum ermessen kann, wann das Fett in der Friteuse letztmals gewechselt wurde ... Der Vorteil: Man kann beim Fernet Branca zusehen, wie der Parmaschinken über gegrillte Polentaschnitten auf Rucola gehobelt wird. Speicheldrüsen und Pankreas merken auf.

Bei Tisch wird man mit gebührendem Engagement selbst in Aktion treten, um die Rucola mit Olivenöl und Balsamessig zu beträufeln. Oder die dampfende Pasta alla Rucola mit schwarzem Pfeffer zu „carbonisieren“. Oder die Calamari à la Provençale von der langsam lästig werdenden Rucola zu befreien.

In nobler Bistro-Manier gibt es auch die richtig guten Weine glasweise. Allerdings sollte man von den schmucken Aushilfs-Studentinnen nicht erwarten, bei Bestellung eines Glases Sauvignon auch wirklich einen solchen zu bekommen. Man muß schon selber merken, wenn es ein Chardonnay ist. Der Sauvignon von La Motte beim zweiten Versuch war dann echt. Und ein charmantes Lächeln macht vieles wett.

64 Kloof Street, Gardens
Mo-Sa 8:30-22:30, So 9-16
021 422 1780