Volkskombuis Restaurant in Stellenbosch

Kompromißlos

Für ein Restaurant dieser Klasse ist der Name "Volksküche" eher ungewöhnlich. Aber er gehört nun mal zur Tradition des Hauses, und mit neumodischem Schnickschnack hat man im konservativ-religiösen Städtchen Stellenbosch ohnehin nichts am Hut. Einziges Zugeständnis: Die Speisekarte listet nicht nur in Afrikaans, sondern auch in Englisch auf, was die Buren bzw. ihre malaiischen Sklaven am Lagerfeuer gebraten oder im ausgehöhlten Termitenhügel gebacken haben, als sie das Land in Besitz nahmen.

Als Nahrung diente alles, was die Natur hergab: Von der Antilope, auf der Flucht erschossen, bis zum Wasserblümchen, aus dem Bach gerissen und sauer eingemacht. Man nahm sich, was man brauchte; gebetet wurde um Beistand, nicht um Vergebung.

Das Gelobte Land der Buren war die Karoo, jene versengte Halbwüste hinter den Bergen. Sie ist nach der Vertreibung des Wildes und der Hottentotten zum Nährboden von Schafen und Straußen geworden. Letztere werden noch heute gerupft und geschunden für lederne Geldbörsen und federne Staubwedel, ihr Fleisch wie das der unschuldigen Lämmer auf dem Altar der kulinarischen Gemeinde geopfert.

Eines von jenen gab seine Rippe zum Wohle meiner Tischnachbarin, die sie mit gebührender Andacht zu sich nahm. Ich selbst wollte mich mit Innereien bescheiden und wählte als Starter ein "Parcel of curried Brains", Hirn in Fettstreifen verpackt und gegrillt. Wer wagt, gewinnt - in diesem Falle ein völlig ungewohntes Geschmackserlebnis.

Wie gesagt, man folgt in der Volkskombuis nicht zwanghaft dem Trend zum Muskelfleisch, sondern hält an der traditionellen Landküche fest, die sich den Luxus, irgend etwas nicht zu verwerten, schlicht nicht leisten kann. Vermeintlich Zweitklassiges ist dabei zu einem olfaktorischen Gesamtereignis verarbeitet, das seinesgleichen sucht. Es ist schon erstaunlich: Der Mensch westlicher Kultur verzichtet, von Ekel geschüttelt, auf die Intensität der Innereien, und begießt lieber die faden Fasern tierischer Hinterbacken mit künstlichen Soßen, damit die Zunge überhaupt noch einen Kitzel wahrnimmt.

Auch der Hauptgang könnte ein Extrakt authentisch französischer Bistroküche sein: "Lamb Delicacy" ist eine Assemblage von Zunge, Leber, Niere und Hirn, so aromatisch, wie das in sophisticated Europe kaum noch einer kennt. Und so nahrhaft, dass es eigentlich nur ein hart arbeitender Bure verträgt.

Der Malva-Pudding mit Vanillesauce zum Dessert ist ebenso landestypisch wie der hochprozentige Witblits. Ohne den letzteren wäre ein solches Abendmahl kaum verdaulich.

Aan de Wagenweg, Stellenbosch
So. abends geschlossen
021 887 2121