Aubergine Restaurant in Kapstadt

East meets West

Kapstadt war von der ersten Stunde an ein Schmelztiegel der Kulturen. Verschmolz während der Gründungsphase unter dem Banner der Holländisch-Ostindischen Compagnie zunächst die deutsche Kultur mit jener der Auftraggeber (schon der Nachfolger des ersten Kommandanten war ein Deutscher namens Zacharias Wagner), so rührten später malaiische Leibeigene reichlich Curry in den gemeinsamen Topf. Das Füllhorn des Landes steuerte Fleisch und getrocknete Früchte bei, der schwarze Bevölkerungsanteil die tropische Exotik von Kokos und Süßkartoffeln.

Diese heute kapmalaiisch genannte Küche ist allerdings so deftig, daß ein Feinschmecker-Restaurant schlecht beraten wäre, sie eins zu eins umzusetzen. So geht man im Aubergine in die Ursprungsländer zurück und schichtet das Füllhorn neu ein. Dabei darf natürlich der französische Einfluß nicht fehlen, den die Hugenotten brachten und vor allem dem Weinbau aus den Startlöchern halfen.

Diese Mélange findet sich zum Beispiel in einer Kürbis-Pilz-Tarte, die von einem begeisternden orientalischen Crème-Dip begleitet wird, daneben getrocknete Mango und Avocado. Der Hauptgang macht den ostwestlichen Gegensatz zum Programm und liefert auf demselben Teller links einen angenehm knapp gegarten Kabeljau und rechts einen östlich-pikanten Yellowtail, der, begleitet von Linsen und Gemüsecrème, für den exotischen Kontrast sorgte. Optimal vertreten wurde der Westen von einer "Offal selection" aus Bries, Zunge und Niere vom Kalb, eine Ansammlung von Innereien, die jedem Pariser Spitzenbistro zur Ehre gereicht hätte.

Bei anderer Gelegenheit vertrat ein Spargelmenü die europäische Kultur ebenso nachhaltig: Püriert als Suppe, mariniert mit Parmaschinken oder frisch und ganz mit Kingklip und Vinaigrette, um nur drei der sechs Gänge zu zitieren. Allerdings konnte ich nicht umhin, der schlanken Eleganz der bleichen Stangen mit Butter zu mehr Opulenz zu verhelfen.

Eine Dessert-Variation in fünf aufeinanderfolgenden Auftritten brachte in japanischer Keramik östliche Zen-Qualitäten zur Geltung: Klein, aber nicht winzig, süß, aber nicht zuckerig ... Und schon wird klar, daß es die beschriebenen Kontraste eigentlich gar nicht gibt.

Auch das gediegene Interieur (ledernes Kirchengestühl und auberginefarben gestrichene Wände) sowie der Service lassen keine Wünsche offen. Und für ein Kapstädter Top-Ten-Lokal gehört es heute zum Spiel, sich in einem stadtplanerisch nicht ganz perfekten Viertel hinter dem Dunkley Square zu verstecken.

39 Barnet Street, Gardens
nur abends, Mo-Sa, im Sommer täglich
021 465 4909