Bijoux Restaurant in Franschhoek

Dekonstruktivismus

Franschhoek, die Franzosen-Ecke des Kaps, wartet mit einer statistisch unerreichten Dichte an kulinarisch bedeutenden Etablissements auf – ein renommiertes Schlemmerzentrum, das selbst nur ein paar hundert Seelen zählt. Die Weingüter der Gegend werden zum Teil von Hobby-Winzern geleitet, die zuvor in anderen Bereichen Karriere gemacht haben, wie z.B. Haut-Cabrière mit Achim von Arnim.

Das Erbe der Hugenotten wird aber nicht nur im Weinbau gepflegt, sondern auch beim Essen. Ein Stichwort, das man meint, hochhalten zu müssen, heisst Kreativität.

Bereits die Vorspeise im Bijoux ist von ungezügeltem Schöpferdrang beseelt, wobei zwei Fragen im Raum standen: zum einen, ob denn der Warm/Kalt-Kontrast, der einem Dessert zu hoher Faszination verhilft, beim Entrée angebracht ist, und zum zweiten, ob die süße Grundsubstanz des Lachs-Eises wirklich mit der salzigen Sojasauce harmoniert. Ich schätze Komplexität sehr, aber hier schien mir der Bogen überspannt. Konstruktiver Gegenvorschlag: Aceto balsamico tradizionale, jener vergorene Traubensaft, der ohne Essigsäure auskommt.

Der Hauptgang: im Vordergrund Rindsmedaillons an Pilzsauce, dahinter à point gegartes Gemüse und obendrauf Frites – nicht Pommes, sondern eine Grundsubstanz aus Reis, die offenbar in einem aufwendigen, Tofu-ähnlichen Verfahren zu Stäbchen elaboriert und in Teig fritiert wurde. Das Ganze war, wie das Entrée, zu einem fragilen Turmbau geschichtet, luftig mit Kräuter-Julienne und Keimlingen überhöht, um bei der ersten Berührung zusammen zu stürzen.

Das Dessert: Rotweinbirne, quer halbiert und mit einer Kugel Gorgonzola-Eis (kurios, aber gelungen) zu einem Sandwich-Turm aufgebaut, umgeben mit einer Sauce von roten Beeren und gehackten Walnüssen. Der Kellner beschrieb das als "Dekonstruktion eines Waldorfsalates", ein Zeichen, dass die Kreativität hier auf solidem theoretischem Fundament ruht. Offenbar steht im Bijoux ein ehemaliger Architekt am Herd. Die Dekonstruktion dieses dritten Turmbaues bereitete erneut das kindliche Vergnügen, etwas zu zerstören und zu vertilgen, um aus der Melange des resultierenden Darminhaltes neue Lebensenergie zu beziehen, zum eigenen Wohlergehen wie zur Zufriedenheit des dekonstruktiven Baumeisters.

Main Street, Franschhoek
Lunch, Dinner Di-So
021 876 3474