The Burgundy Restaurant in Hermanus

Walversprechen

Die Führerliteratur beteuert, Hermanus sei der weltweit beste Ort, um von Land aus Wale zu beobachten, und die Hotline, die während der Walsaison von Mai bis Dezember aufgeschaltet ist, um durchzugeben, wo die Wale genau stehen, tut ein Übriges: "Sie sind überall, die Walker Bay ist voll, kommen Sie einfach." Dieses Wal-Versprechen wird in der Tat regelmäßig eingelöst, ohne dass die Versprechenden etwas dafür tun müssen. Anders sieht es im ebenfalls von der Literatur hochgelobten "Burgundy" aus, denn dort müßte man wirklich hart arbeiten, um das Versprechen zu halten. Und der Herd ist nun einmal nichts für eine "Politik der ruhigen Hand".

Vergleicht man Wort und Wahrheit, so kommen Zweifel auf, dass die Lobenden mit den Gelobten nichts zu tun hätten: zu kraß ist das Mißverhältnis. Von französischem Einfluß ist nichts spürbar außer Kulturverachtung: dem kapmalaiischen Gericht Bobotie fehlt nicht nur jeglicher Pfiff, sondern auch das Trockenobst, das nun einmal dazugehört. Dafür schwimmt es in einem See von Chutney, das offensichtlich aus dem Supermarkt kommt. Dazu wird ein draller, aber langweiliger Gemüseteller gereicht, der zu allem Überfluß mit Pommes Frites unterster Qualität garniert ist, obwohl das Bobotie (Bobotie Kochrezept) bereits ordnungsgemäß mit Reis angerichtet ist – Masse statt Klasse.

Im Übrigen lebt man hier von der Qualität der Frischprodukte, aber wo Fehler möglich sind, werden sie gemacht: Der Yellowtail, ein hervorragender Speisefisch, ist schwarzgegrillt. Und die Garnelen werden mit Knoblauch oder Peri-Peri traktiert, um den zarten Eigengeschmack zu übertünchen.

Dennoch braucht sich das Burgundy um seine Existenz keine Sorgen zu machen: Die Lage ist sensationell, die Wale springen uns fast in den Suppenteller. Und schließlich sind wir ja deshalb hier; gut essen können wir heute abend in Kapstadt.

Market Square, Hermanus
täglich
028 312 2800

The Burgundy Restaurant, Hermanus