Rozenhof Restaurant in Kapstadt

Kontrastprogramm

Der unscheinbare Eingang des Rozenhofs will unter dichten Bäumen erst einmal gefunden werden. Das gediegene Interieur in Holz und Marineblau beherbergt eine schöne Kunstsammlung: Konservative Landschaften in Öl kontrastieren mit provokativ zeitgenössischer Graphik. Das melodiös getragene Oxford-English des Hausherrn wiederum weckt andere Erwartungen als das kompakte, derb-deutsch anmutende Kleiebrot, das zu Beginn gereicht wird.

Ein weiterer Kontrast entsteht im Kopf des Weinkenners, wenn er mit der Erfahrung kühler europäischer Gewölbekeller den Wein-"Dachboden" des Hauses betritt: Der Weiße gekühlt in Klimaschränken, der Rote aber schwitzt in Regalen unter der Decke eines viel zu warmen, getäfelten Nebenraumes! Keller gibt es nun mal nicht in südafrikanischen Wohnhäusern; und die durchschnittliche Verweildauer einer Weinflasche in der Hand des Konsumenten beträgt 9, in Worten: neun Stunden. Von Lagerweinen, wenn man sie denn überhaupt findet, kann man deshalb nicht allzu viel erwarten.

Kontrastprogramm auch am Nebentisch: Der Hausherr präsentiert der Crew einer IT-Firma das Menü, und deren beleibter, ergrauter Patron stellt ihm im Gegenzug seine juvenilen Mitarbeiter vor. Man ist in Kapstadt nicht nur Wirt, sondern auch Mensch, das heißt, man bringt auch den Kunden hinter dem Teller Interesse entgegen.

Die Tomatensuppe: Heiß, pures Purée. Keine Kompromisse. Hier regiert der natürliche Geschmack des Rohprodukts. Diese Suppe ist ähnlich kompakt wie das Brot, fast wie Tomatenmark. Gewürz? Der etwas befremdliche Streuer mit vielleicht schon vor Jahren gemahlenem Pfeffer wird vom Kellner unaufgefordert mit einer Pfeffermühle ergänzt, die er allerdings gleich nach der Suppe wieder hinaus trägt. Nun ja, im Museum stehen ja auch nicht Pinsel und Palette neben den Bildern, dass jeder nach Belieben Korrekturen vornehmen könnte.

Dasselbe Purée taucht im nächsten Gang als Häubchen auf einer Lauchpolenta wieder auf, so möchte man meinen. Teil zwei und drei der vegetarischen Trilogie: Spinatgnocchi in Olivenöl und eine Pilzpastete. Alles ist wiederum sehr kräftig, um diesmal den Ausdruck kompakt zu vermeiden.

18 Kloof Street, Gardens
Lunch Mo-Fr, Dinner Mo-Sa
021 424 1968