Hildebrand Restaurant an der Waterfront in Kapstadt

Rasta Pasta

Das Multikulti-Spektakel, das den Gästen der diversen Straßen- nein: Piercafès an der Waterfront geboten wird, sucht seinesgleichen. Und weder der Rastaman aus Jamaika noch der Bure aus Transvaal muß heute aus Herkunft und Überzeugung ein Geheimnis machen. Polyglotte Gastlichkeit kann sich heute wieder auf die Tradition besinnen, denn das Hildebrand ist bereits seit viktorianischer Zeit ein Gasthaus: Als "Harbour Café" erbaut, war es das erste Gebäude auf dem Pier.

Zwar verkam es bald zur Behausung von Kleinhändlern, die vom Karren ihren Fisch verkauften, aber bereits in den 20er Jahren übernahm es ein Deutscher namens Hildebrand, der in der City ein Schokoladengeschäft gegründet hatte und im Hafen eine profitable Zukunft witterte.

Seinen traditionsreichen Namen behielten italienische Investoren bei, als sie das Geschäft übernahmen. Mehr Konzessionen an die Historie gab es von ihnen allerdings nicht: Der koloniale Charme der Räumlichkeiten wurde mit Hilfe einer Korbflaschensammlung gnadenlos zur Trattoria umgestaltet. Auf der ruhig gelegenen Terrasse stört das weniger, auch nicht beim Essen selbst, kann man doch als Pasta-Fan aus dem Vollen schöpfen, was sonst im Land von Mais und Kartoffel eher selten ist.

Ligurische Ravioli, suppig in legierter Käsesauce angerichtet – ein Gedicht. Allerdings orientierte sich der Salzgehalt noch an der schweißtreibenden Sommersaison. Die Scaloppine (hier "cooked veal") in Crèmesauce sind butterzart. Die legierte Käsesauce erscheint hier zum zweiten Mal, diesmal mit reichlich Pilzen, und erinnert an einen uralten Gag. Ober: "Wie fanden sie das Schnitzel?" Gast: "Indem ich die Pilze beiseite schob."

Hervorragend wiederum die Teigwaren, diesmal gebutterte Spaghettini mit Petersilie. Zusätzlich bot der Kellner Gemüse vom Tablett an, was wohl auf den unstillbaren Kalorienbedarf des mittäglichen Business-Publikums zurück zu führen ist. Ich hätte besser abgelehnt: Karotten in Zimt finde ich zwar spannend, aber zur Käsesauce passen sie nicht. Auch das markante Ratatouille trägt nicht wirklich zur geschmacklichen Abrundung bei. Mein Urteil ist also zwiespältig, aber das Mehrheitsvotum zahlreicher Gäste ist nicht zu ignorieren, und ich beuge mich dem. Man speist hier in der Regel bestens.

Pierhead, V&A Waterfront
Mo-Fr 10:00 bis 23:00
021 425 3385