Jonkershuis Restaurant in Kapstadt

Slow Food

Das „Erste Weingut am Kap“ kann sich nur aus historischen Gründen so nennen, denn die Weine von Groot Constantia haben den Anschluss an die Spitze verloren. Auch das alte Hauptgebäude brannte 1929 nieder und musste rekonstruiert und mit antikem Mobiliar neu bestückt werden. Trotzdem bleibt der hohe Reiz des Ensembles. Anton Anreiths barocke Skulpturen, ein Wein- und Kutschenmuseum sowie ein origineller Swimmingpool sind sehenswerte Details.

Dennoch ist das Anwesen aus den Fahrplänen der Veranstalter der Kap-Rundfahrten gefallen, verdrängt von den Pinguinen bei Simons Town, die einfach jeder sehen will; der Einzelreisende hat also wenig Hektik zu befürchten. Ohnehin könnte es kein Reiseleiter wagen, seine Gruppe ins Jonkershuis zu setzen – zu langsam sind Küche und Service, jeder Zeitplan wird hier zur Makulatur. Der Vorteil der Gemächlichkeit: Wir konnten die Stimmung unter der Eichenallee genießen, Anreiths Madonna am Gutshaus würdigen und eine Tasse mehr vom hervorragenden Kaffee trinken.

Als unser Tète-à-tète jäh vom eintreffenden Essen unterbrochen wurde, war die Überraschung eine angenehme: knackiger Salat mit gebratenem Gemüse, rohem Obst und (auf Anfrage) einem phantasievollen Orangen-Knoblauch-Dressing, dem allerdings eine Prise Salz nicht geschadet hätte. Und ein auf kapmalaiische Art geräucherter Barrakuda (der hier Snoek heißt) mit kuriosen Beilagen: Süßkartoffeln in Safran mariniert, warmen Bouillonkartoffeln, Kürbis-Honig-Ingwerpaste, Dörrfrüchte-Chutney, Orangenreis, Blumenschmuck ... exotisch wie die Pinguine am glühend heißen Boulders Beach, aber gerade deshalb gelungen.

Im kühlen Kap-Winter bietet das traditionelle Interieur willkommene Zuflucht. Horlicks and Cream, ein hinreissendes Heissgetränk, und Melktart, der burische Käsekuchen, sorgen für die innerliche Kalorienzufuhr, die Buchenscheite im Kamin für die äußerliche. So läßt sich jedes Klima aushalten.

Weingut Groot Constantia, Constantia
Lunch täglich, Dinner Di-Sa
021 794 6255