Cape to Cuba Restaurant in Kalk Bay

Holz und Kalk

Hout Bay und Kalk Bay – so heißen zwei Ortschaften auf der Kap-Halbinsel, benannt nach den Rohstoffen, welche die Compagnie von hier bezog: Holz aus den Wäldern südlich des Tafelberges, die heute zu Vorgärten mutiert sind, und Kalk aus den Muschelschalen der False Bay, wo heute die Käfige der Haitaucher versenkt werden. Während Hout Bay eher das traditionelle Publikum anzieht, mit breitem Sandstrand an einer malerischen Bucht, schielt man in Kalk Bay nach dem Trend, denn "gemütlich" ist es hier nicht.

Felsenküste und ein arbeitsamer Fischerhafen, mittels Eisenbahnlinie und Hauptstraße vom Ort abgeschnitten - die Szene stört das wenig. Im Gegenteil, es erinnert an die Côte d'Azur vor dreißig Jahren. Verwinkelte Altbauten mit bröckelndem Putz, ein verlottertes, zugemauertes Großhotel. Dazwischen Künstlerateliers, Antik-Läden und eine Menge von Cafés und Restaurants, die aber gerade nicht dem Ferntourismus ihre Existenz verdanken. Nur tagsüber brummen die Reisebusse durch; abends fällt die Szene ein.

Während das Brass Bell, eingebaut im schmuddeligen Bahnhof, die traditionelle Küche auf hohem Niveau vertritt, gilt das Cape to Cuba als Trendsetter. Ein windiger Wellblechschuppen direkt am Hafenbecken, grell angestrichen und ausgetattet mit (verkäuflichen) kubanischen Memorabilien wie Tabakbündeln und Hemingway-Photos – schließlich ist Kalk Bay das Mekka der Antiquitätenfreunde. Die Eigentümer, Weltreisende mit Sinn für Absonderliches, sind neben Kuba auch Ägypten verfallen. Nichts lag also näher, als ihr anderes Standbein, einen Antikladen, nach Rhodes' Eisenbahnprojekt "Cape to Cairo" zu nennen, und folgerichtig das Restaurant "Cape to Cuba". Dies ist eines der wenigen Restaurants in Südafrika, wo Rauchen erlaubt, nein: erwünscht ist, vor allem wenn man sich auf kubanische Zigarren versteht, wovon eine solide Auswahl feilgehalten wird.

Karibische Muscheln kamen in einer Kräutersauce mit Riz Créole und entsprachen dem Stil, den das Äußere des Anwesens vermittelt: bodenständig mit kreativem Touch. Der Hemingway-Salat macht seinem Namen Ehre: Auf einem reichhaltigen Salatbett liegt ein ausgewachsenes Thunfisch-Steak – "flash fried", also fast roh und nur lauwarm. Die Señorita im Rüschen-Top warnt davor bei Bestellung: Halbgarer Fisch ist nicht Standard in Europa, aber mehr Hitze verträgt Thunfisch nicht, ohne faserig zu werden.

Das Dessert nahmen wir in der nächsten Kneipe: Im "Habanero Mexicano" (gleich neben dem Café Olympia gelegen, das auch am Sonntag um 9 Uhr schon brechend voll ist), gibt es die berüchtigte Chilli Chocolate: Heiße Schokolade mit Kahlua, einem Kaffeelikör, unter einem Sahnehäubchen, das mit reichlich scharfem Chilipulver dekoriert ist. Es ist, man kann es kaum anders sagen, ein geiles Zeug.

Main Road, Kalk Bay
Di-Sa 11:30 bis 16:30 und 18:00 bis 22:30,
Barbetrieb bis 23:30, So nur Lunch
021 788 1566

Cape To Cuba (Cape Town, South Africa)